Artikel zu Joao de Deus im Brasilianischen Magazin "Revista do Correio"
„Wer heilt ist Gott, ich habe nie etwas gemacht“
Joao de Deus, das Medium das bereits Millionen Menschen nach Abadiania zog, sagt dass er nur „ein Schneider“ ist, dass er nicht Religion predigt und dass der wahre Tod darin besteht, nicht an den Schöpfer zu glauben. Die Revista verbrachte einen Tag in der Casa Dom Inacio von Loyola, wo er alle behandelt – von einfachen Menschen bis zu Berühmtheiten und Politikern
„Meine Familie ist, wer meinem Glauben vertraut“
Geboren in Cachoeira de Goias, am 24. Juni 1942, musste Joao Teixeira de Faria schon in frühem Alter arbeiten, um seine Familie zu unterstützen. Damals arbeitete er als Maurer, Fliesenleger, Brunnengräber, Goldschürfer und Schneider. Als Analphabet lernte er erst vor drei Jahren, einen Scheck auszufüllen. Im Alter von nur 9 Jahren erfuhr er die erste Manifestation von Mediunität – und das, obwohl er katholisch ist und damals nicht die geringste Verbindung zum Spiritismus hatte. Mit 16 Jahren führte er die erste spirituelle Chirurgie durch. Seitdem arbeitete und wohnte Joao in diversen Bundesstaaten Brasiliens, bis er seine Behandlungen auf einen Platz konzentrierte, der „Casa de Dom Inacio de Loyola“ getauft wurde. Die Würdigung dieses Heiligen, des Gründers der „Gesellschaft Jesu“, hatte einen zweiten Grund. Joao inkorporierte diese Entität, als er die erste Arbeit in Abadiania durchführte: eine Geburt. Bekannt als Joao de Deus oder John of God, wird er als das bedeutsamste Medium der Gegenwart betrachtet, und er hat vor langer Zeit den Überblick verloren, wie viele Patienten er empfangen hat. Aber er weiß, dass es Millionen waren, die er in den 30 Jahren in der Casa und auf all seinen Reisen innerhalb Brasiliens und im Ausland behandelt hat. Vater von 9 Kindern und Eigentümer von 4 Fazendas im Inneren von Goias, vermischt Joao die Dinge nicht. Abgesehen von wenigen Worten, lässt er das private Leben unerwähnt. In einem exklusiven Interview mit Revista spricht das Medium darüber, wie alles begann, über sein Verhältnis zu Chico Xavier, über Glauben, Unglauben und die Möglichkeit, dass wir im Kino die Geschichte von Joao de Deus sehen können.
Revista: Wann entdeckten Sie diese Gabe und begriffen, dass Sie anderen Menschen helfen können?Mein ganzes Leben habe ich die Heilige Rita von Cassia verehrt. Als ich 9 war, reiste ich mit meiner Mutter von Itapaci (GO) in die Ortschaft Ponte Nova. Auf halbem Weg blickte ich zum Himmel (er war blau) und sagte, dass es regnen wird. Ich stieß meine Mutter an und sagte, dass Häuser einstürzen würden. Von einem Hausbestand von gut 100 Häusern stürzten gut 40 Häuser ein. Danach hat es angefangen. Das ist nichts was man erlernen kann, es ist eine Gabe Gottes. Revista: Wie war Ihr Verhältnis mit Chico Xavier?Ich habe großen Respekt für Chico, Chico ist der Vater des Spiritismus. Als ich ihm mitteilte, dass ich aus Abadiania weggehen wollte, bat er mich darum, nicht hier wegzugehen. Er selbst schrieb mir, dieses Sanktuarium in Abadiania nicht zu verlassen. Revista: In diesem Jahr feiern wir das Jahrhundert-Jubiläum von Chico Xavier und können sehen, dass das Interesse an Spiritualität wächst. Woran liegt dieses größere Interesse, Ihrer Meinung nach?Ich glaube es liegt an Gott . . . Gott ist der Herr von allem. Er ist mein Vater, Ihr Vater, der Vater von uns allen. An ihn zu glauben, darum geht es. Revista: Wie schaffen Sie es, Ihre Zeit aufzuteilen zwischen der Casa Dom Inacio de Loyola, Ihren Fazendas und Ihrer Familie?Das ist leicht. Man muss nur lernen aufzuteilen und sich um alles zu kümmern. Die drei Tage sind für meine Mission (in der Casa), die anderen vier Tage gelten meiner Arbeit und meiner Familie. Man muss die Dinge nur trennen können und nicht vermischen. Revista: Warum brauchen die Menschen die Casa so sehr?Das wüsste ich auch sehr gerne, denn ich bin nicht bewusst (Joao ist ein unbewusstes Trance Medium). Ich wüsste gerne mehr über das Leben der Menschen, denn dann wäre es leichter. Revista: Was würden Sie davon halten, wenn Ihr Leben durch Direktor Bruno Barreto verfilmt würde? (Der Filmemacher hat seine Absicht bereits der Presse mitgeteilt). Wird dieser Film gedreht werden?Ich kenne ihn, auch seinen Vater . . . Ich denke, diese Frage müssen Sie ihm stellen und nicht mir. Denn ihm gehört das Filmgerät und nicht mir. Revista: Würden Sie denn kooperieren?Ich habe nichts zu verbergen. Wenn Sie selbst Heilung von einer Krankheit suchen, wen benötigen Sie dann?An erster Stelle Gott, danach Euch. Ihr seid verantwortlich für diese Casa. Ich glaube in der Stunde wenn ich in einer schwierigen Situation bin, werde ich an Eure Tür klopfen und Ihr werdet mir helfen. Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der entdeckt, dass er ein Medium ist?Ich bin nicht hier, um irgendeine Religion zu propagieren, denn alle Religionen sind gut. Ich glaube dass ein höheres Wesen existiert, das ist Gott. Wie geht Ihre Familie mit Ihrer medialen Berufung um?Meine Familie, das sage ich Ihnen, ist die heiligste Sache der Welt für mich. Meine Familie ist wer meinen Glauben mit mir teilt, wer an ein höheres Wesen glaubt. Sie hier (er deutet auf die Therapeutin und Freundin Nishavda), ich habe sie hier kennen gelernt, und sie hat mich nach Deutschland geholt. Sie ist meine Familie, meine Tochter, meine Schwester. Sie auch. Teil meiner Familie ist wer meinen Glauben mit mir teilt. Was hat sich durch Ihre Arbeit im Leben des Menschen Joao Teixeira de Faria geändert?Gott sei Dank, ist mir nichts zu Kopf gestiegen. Denn ich bin ein Sohn Gottes. Wer bestimmt, ist Er. Menschen aus der ganzen Welt brauchen Sie. Einer von ihnen verglich, dass Sie die Gebete von Jesus machen. Glauben Sie, dass es eine Ähnlichkeit gibt?Jesus wurde von Gott auserwählt auf die Erde zu kommen, um Nächstenliebe zu praktizieren und sein Blut für alle zu vergießen. Ich bin ein Sünder, aber bin auch Sohn Gottes. Wer heilt, ist Gott, ich habe nie etwas getan. Ich bin nur ein Schneider. Welche Botschaft der Hoffnung würden Sie den Menschen nahe bringen?Das was ich glaube. Ich habe damit im Alter von 9 Jahren begonnen, glaubte an die Katholische Kirche, bin in der katholischen Wiege aufgewachsen. Und wenn ich Euch verlasse, weiß ich, dass ich ins Heim meiner Brüder gehen werde. Die Botschaft die ich sende: an Gott zu glauben, dieses höchste Wesen, diesen Architekten des Universums, der Frieden und Glück auf dieser Welt möchte. Warum fällt es einigen Menschen so schwer, an Ihre Arbeit zu glauben?Nicht nur an Jesus, auch an diverse andere Prediger des Wortes Gottes, wie Moses, haben nicht alle geglaubt. So ist es eben. Das Leben ist ewig, nur der Körper wird wieder zu Erde. So passiert es. Was denken Sie über Prophezeiungen zum Ende der Welt? Wird irgendetwas passieren?Was ich denke . . . Gott hat dieses Wunder, den Planeten Erde und seinesgleichen geschaffen. Und Gott verwirklicht seine Absicht, weil er das Beste für seine Kinder will. Genauso wie mit einem leiblichen Kind. Es ist falsch, sein Kind zu bestrafen, nicht wahr? Für mich gibt es keine Überraschung. Aber viele kommen zur Casa, um vor dem Tod wegzulaufen?Aber der Tod hat kein ewiges Leben. Tod ist, wenn Sie nicht an den Schöpfer glauben, wenn Sie nicht an diese kosmische universelle Kraft glauben . . . das ist der Tod. Ihr Körper ist geliehen, er vergeht, wird sich auflösen. Aber Ihre Seele geht mit Gott. Wenn ich von Geist, Seele, Schutzengel spreche, das ist alles eins. Die Casa lebt von Spenden?Ich habe ein Labor, Heilmittel, aber wer diese nicht bezahlen kann, bekommt sie gratis. Die Menschen die mir helfen sind Freiwillige. Ich bin gegen den Zehnten. Der erste Zehnte war, als Judas Jesus gegen diese Münzen verraten hat. Hier gibt es keinen Zehnten, keine Kirchensteuer. Hier gibt es Menschen, die freiwillig helfen oder spenden, aber es ist nicht obligatorisch. Wer nicht die Möglichkeit hat die Universität zu zahlen, kommt hier an und bittet um Geld. Weil ich selbst keine Möglichkeit der Ausbildung hatte erschien mir diese Mission. Erst vor 2,3 Jahren hat mir Hamilton (Freund und Verwalter der Casa) gezeigt, wie man Schecks ausfüllt. Ich bin Analphabet. Leisten Sie einen wichtigen Beitrag zum Wirtschaftsleben der Stadt?Ich glaube nicht. Ich hab an nichts irgendeine Beteiligung. Wer zum Wirtschaftsleben der Stadt beiträgt sind all die Menschen die aus ihrem Vertrauen von weit her nach Abadiania kommen. Und die Menschen die hart dafür arbeiten, dass all dies hier möglich wird. Ich denke dass die Bevölkerung von Abadiania ehrlich ist und hart arbeitet. Was meine Mission hier angeht – ich mache gar nichts, es ist Gott der alles bewirkt. Warum gibt es denn noch viele Bewohner der Stadt, die nicht in die Casa kommen?Haben Sie schon mal nachgedacht was wäre, wenn alle die hierher kommen, fest im Glauben verwurzelt wären? Dann wäre die Casa leer, die Menschen würden das hier nicht brauchen. Jeder könnte zu Hause beten.
Eine Frage des GlaubensEin trocken-kühler Donnerstag Morgen in Abadiania. Um 7 Uhr kommen weiß gekleidete Personen aus allen Richtungen dieses kleinen Städtchens in Goias, in 115 km Entfernung von Brasilia. Die 51-jährige Nordamerikanerin Denise Cooper ist eine von ihnen. Kurze gelockte Haare, blauer Schal und Hörgerät. Sie radelt in Richtung der Casa de Dom Inacio de Loyola, wo sie seit etwas mehr als einem Jahr als Krankenschwester des spirituellen Hospitals arbeitet. Die blau-weiß gestrichene Casa Dom Inacio de Loyala strahlt ein Ambiente von Ruhe und Wohlgefühl aus. An den Behandlungstagen Mittwoch, Donnerstag und Freitag kann das Publikum zwischen 400 und 6.000 Personen variieren - letzteres die maximale Zahl, die je im Juni gezählt wurde. Auch wenn viel Bewegung herrscht, so ist es doch ruhig. Immer mehr Menschen gehen in Richtung des Buchladens, wo sie ihre Eintrittskarte erhalten. Jetzt dauert es noch eine Stunde, bis die Behandlungen beginnen. Unter den Besuchern sind Neulinge, die die Casa erstmals besuchen und Andere, die diesen Ort seit mehr als 10 Jahren aufsuchen. Sie alle suchen spirituellen Frieden und Heilung für die verschiedensten Krankheiten, durch das Medium Joao Teixeira de Faria, genannt Joao de Deus. Als die Krankenschwester Denise damals ankam, konnte sie weder gehen noch sich richtig artikulieren. Ihre Diagnose war Multiple Sklerose. „Alles ist möglich und die Veränderungen können drastisch sein, wie es bei mir der Fall war“, erzählt sie. Nach 10 Tagen, so erinnert sie sich, konnte sie wieder gehen, arbeiten, tanzen. Fälle wie der von Denise sind ganz normal. Viele sprechen spontan über ihre Erfahrungen, als Orientierung für Jene, die bald kommen werden. Obwohl Joao de Deus als Medium respektiert wird, wurde er auch schon Scharlatan und Hexer genannt. Gegen ihn wurde prozessiert wegen Operationen, die von der Entität Dr. Fritz durchgeführt wurden; er wurde verfolgt und diskriminiert. Was sich jedoch immer wieder einstellt, das sind positive Resultate aufgrund der Arbeit des Mediums. Heilungen, die auch eine riesige Zahl von Ärzten, Richtern, Politikern und sonstigen einflussreichen Persönlichkeiten beeindrucken, die ebenfalls die Casa besuchen. „Vielleicht wäre es ja möglich, die Menschen für ein oder zwei Jahre hinters Licht zu führen, aber mehr als 40 Jahre?“ fragt Hamilton Pereira, 60 Jahre, rechte Hand von Joao in der Verwaltung des Platzes. Wie ein Ökumenischer Tempel, in dem die unterschiedlichsten Glaubensrichtungen willkommen geheißen werden, empfängt die Casa de Dom Inacio Millionen Brasilianer und Ausländer. Die „Revista“ ist ebenfalls dorthin gefahren. Wir haben den Platz besucht, die intensive Besucherfrequenz beobachtet und mit Besuchern gesprochen. Was wir sahen und hörten, wird im Detail auf den nächsten Seiten beschrieben. Es ist uns auch gelungen, näher an Joao de Deus heranzukommen. In einem exklusiven Interview erzählte er uns etwas von seiner persönlichen Geschichte, von den Vorurteilen vieler Menschen und über sein Verhältnis zu Chico Xavier, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre.
Abadiania im Kino Der Cineast Bruno Barreto – Dona Flor und ihre zwei Ehegatten (1976), Was ist das, companheiro? (1997), Letzte Station 174 (2008), neben anderen Filmen – war im Februar 2009 in der Casa Dom Inacio de Loyola. Beeindruckt von der Arbeit des Mediums, der Besuchsfrequenz der Ausländer in der Stadt und den Berichten über Heilungen, hat der Filmdirektor bereits seine Absicht bekräftigt, einen Film über Joao de Deus zu drehen. Hamilton Pereira, dem Verwalter der Casa zufolge, ist jedoch noch nichts endgültig entschieden. Es gab auch einen anderen Interessenten, in dem Fall die amerikanische Century Fox. Der Vertrag über die Filmarbeiten wurde jedoch nicht unterzeichnet, da der Vorschlag die Bereitschaft von Joao de Deus voraussetzte, fast ein Jahr lang zwei Stunden täglich zur Verfügung zu stehen.
Ein Spirituelles Hospital
Es ist 8 Uhr früh. Hell erleuchtet spiegeln die Wände des Wartesaals Bilder von Jesus und dem Heiligen Ignatius, ein Photo von Joao de Deus, Fahnen des tibetischen Buddhismus, jüdische Symbole und ein Bild von Chico Xavier, wie er Jesus umarmt. In seiner Funktion als Public Relations Mann der Casa des Heiligen Ignatius von Loyola, ist der 55-jährige Sebastiao Lima der dienstälteste Freiwillige der Casa. Sich in Lächeln und Umarmungen badend, während er die Bühne besteigt, begrüßt Tiao am Mikrophon die in dem Moment anwesenden etwa 200 Personen. Es sind Kinder, Jugendliche und Erwachsene der unterschiedlichsten Nationalitäten und sozialen Klassen. Verloren aussehende und hoffnungsvolle Gesichter; bei Einigen Angst, bei Anderen Vertrauen in die spirituelle Konsultation, die nach einigen Gebeten und Botschaften ihren Anfang nehmen wird. „Heute ist der Tag unserer Heiligen Fatima“ sagt Tiao in feierlichem Ton, während er alle einlädt, ein „Ave Maria“ und das „Vater-Unser“ anzustimmen. Und das, obwohl die Casa auch Buddhisten, Mohammedaner und Angehörige evangelischer Glaubensrichtungen willkommen heißt. Während die Patienten darauf warten, dass die Schlange für den Besuch von Joao de Deus aufgerufen wird, verbringen einige die Wartezeit damit, die Videos auf den Bildschirmen im Saal zu verfolgen. Es sind Videos von chirurgischen Eingriffen, die von Dr. Fritz durchgeführt wurden – einer der mehr als 30 Wesenheiten, die von Joao de Deus inkorporiert werden. Schnitte in die Haut mit dem Skalpell, Kratzen auf dem Augapfel und andere physische Operationen beeindrucken wegen der offensichtlichen Schmerzfreiheit trotz des Fehlens jeglicher Anästhesie. Heutzutage sind solche Eingriffe, die zu Kontroversen mit der Medizin führten, relativ selten. Nach dem freiwilligen Helfer Claudio Jose Antonio Pruja, 56, machen die sogenannten „sichtbaren Chirurgien“ nur etwa 0,01 % der gesamten Behandlungen aus, während die „unsichtbare Chirurgie“, will heißen die spirituelle, bei weitem überwiegt. Letzte Hinweise nun, bevor die heute erstmalig gekommenen Besucher der Casa eintreten können. Die von der in Joao inkorporierten Wesenheit verschriebene Behandlung muss ernsthaft verfolgt werden. Während der Einnahme des Medikaments – eine Komposition von Passiflora (Passionsfrucht) und einer Flasche gesegneten Wassers – wird empfohlen, keine alkoholischen Getränke zu sich zu nehmen; auch kein Schweinefleisch und keinen Pfeffer. Die Schlange all jener, die zum ersten Mal die Casa besuchen, betritt nun den Behandlungsraum. Danach folgen die Menschen, die bereits mehr als einmal in der Casa waren. Während dieser individuellen Konsultationen werden die später stattfindenden Operationen markiert. Ohne Eile schreiten die Menschen durch den ersten Saal, wo etwa 100 Medien mit Meditation und Gebeten ein Kraftfeld erzeugen. Dabei funktioniert dieser erste Raum als so etwas wie ein „spiritueller Filter“ für all jene die ihn durchqueren. Weitere 10 Schritte, und die Schlange betritt den Raum der Wesenheit. Dort arbeiten etwa 100 weitere Medien mit den eintretenden Besuchern. Auf einem von Blumen umsäumten Sessel empfängt Joao de Deus die Menschen als Wesenheit Jose Valdevino. Die Konsultation kann zwischen 20 Sekunden und einigen Minuten dauern. Man braucht der Wesenheit nichts zu sagen. Auf dem Umweg über Joao de Deus identifiziert sie das Anliegen der Person: „Die Dame hat Nierenschmerzen“; „der Herr weiß nicht, was er mit seinem Sohn machen soll“. Es geht um Gesundheits- oder familiäre Probleme, um existenzielle Fragen und auch ganz einfach Danksagungen für das Geschenk dieser Behandlung. „Kann ich Dich um ein Geschenk bitten?“ fragt das Medium eine Frau, die ihm die Krücken bringt und dann ohne weitergeht. Wiederum andere suchen Rat, was ihre Geschäfte angeht. In der Schlange ist auch der Geschäftsmann Fabio Diniz Portela, 43 Jahre. Ihn plagt die Frage, ob er seine Pousada in Abadiania verkaufen soll oder nicht, um sich mit seiner Familie die im Süden lebt wieder der Viehzucht zu widmen. Als er zur Entität kommt, stellt er gar keine Frage. Er hört nur die Empfehlung, als freiwilliger Helfer der Casa, mit der Mission, anderen zu helfen, weiterzumachen. Nachdem er die Wesenheit gehört hat, geht er weiter in den Meditationsraum und von dort dann weiter auf das Außengelände. Draußen im Garten – einem Platz der Meditation – scheint er über diese Botschaft zu reflektieren. Als Fabio zum ersten Mal die Casa besuchte, kam er mit einer Lebenserwartung von nur noch zwei Monaten. Es war vor 18 Jahren, als er die Nachricht erhielt: Gesichtskrebs. Ein Jahr nach dieser Diagnose begann er die Behandlung und wurde geheilt. Dankbar für die erhaltene Heilung arbeitet Fabio seit 14 Jahren als freiwilliger Helfer in der Casa. Seitdem wohnt er im Ort, wo er auch eine Pousada betreibt. „Ich weiß, dass er mein Bestes will und er weiß, dass mir die Menschen hier und die Casa wichtig sind. Ich helfe und habe schon vielen Menschen hier geholfen. Jetzt werde ich die Idee, das Geschäft zu verkaufen und wegzuziehen, überdenken“, beschließt er.
Mission, die aus der Heilung kommt
Die Schlange bewegt sich weiter nach vorne und die Behandlungen des Vormittags enden einige Zeit nach 10 Uhr. Nach der spirituellen Reinigung erhalten alle einen kleinen Becher von der Wesenheit gesegnetes Wasser. Am Ende der Aktivitäten des Vormittags gehen alle noch die Suppe essen. „Der Teller Suppe ist auch Teil des Rituals“, erzählt der Anwalt Eli Gontijo Pereira, 52 Jahre, Freiwilliger der Casa. Einige der Menschen, die an den im Garten aufgestellten Tischen sitzen, zeigen einen erleichterten Gesichtsausdruck und suchen Ruhe nach der Behandlung. Andere warten etwas ängstlich auf die für den Nachmittag festgelegte Konsultation. Die Krankenschwester des Platzes, die Nordamerikanerin Denise Cooper, 51, beendet ihr Essen, um sich eine halbe Stunde lang auszuruhen. Im Garten setzt sich Denise auf eine jener Holzbänke, die von einigen Besuchern der Casa gespendet und mit ihren Namen versehen wurden: Hope, Canada, Jack & Nancy, neben anderen Namen von Personen und ihren Ländern, die hier zu Besuch waren. Vor 6 Jahren hatte die Krankenschwester eine fortgeschrittene Multiple Sklerose. „Ich benutzte einen Rollstuhl, und manchmal auch Krücken. Ich benötige Hilfe, um mich zu waschen, zu baden, zu kochen. Ich konnte einfach nichts mehr allein machen. Hatte Schwierigkeiten zu sprechen, zu schlucken“, erinnert sie sich. Bis sie eines Tages im Fernsehen eine Sendung über John of God sah, wie Joao de Deus im Ausland genannt wird. In dem Moment fühlte Denise, dass sie nach Brasilien gehen sollte. „Mein Körper hat mich hierher geführt. Er war es, der meine Aufmerksamkeit auf diese Notwendigkeit spiritueller Heilung richtete.“ 2005 kam sie allein nach Abadiania. Nach 10 tägiger Behandlung, so erinnert sie sich, passierte was sie für unmöglich gehalten hatte: die ganze Nacht zu tanzen. „Als ich in die Vereinigten Staaten zurückkehrte, konnte ich selbst aus dem Flugzeug steigen. Niemand brauchte mich zu tragen“, erinnert sie sich voller Stolz. Nach einigen weiteren Besuchen entschied sich Denise vor anderthalb Jahren, in Abadiania zu bleiben. Heute glaubt sie, dass sie nach ihrer Heilung nun ihre eigene Mission gefunden hat. „Das Einzige, was ich hinter mir gelassen habe, war der Schmerz. Ich habe soviel gelernt hier …und es ist beeindruckend, wie viel wir für Andere tun können.“ Während sie sich von der Bank erhebt, blickt sie noch einmal auf den Namen „Jerry“, mit dem sie heute eng befreundet ist. „Ich erinnere mich an etwas, das er mir nach der Behandlung gesagt hat: „You can`t argue with results (man kann nicht mit Resultaten diskutieren). Ich glaube das ist es, was wir hier sehen.“ Kurz vor 14 Uhr nimmt sie ihre Arbeit im Ruheraum wieder auf. Dort erholen sich die Leute, die eine spirituelle Operation hatten.
Nahrung für die SeeleIm Zentrum von Abadiania, hat sich ein anderes von Joao de Deus geschaffenes Haus in den schönsten Platz von Abadiania verwandelt. Das Haus der Nahrung ist auch als Suppenhaus bekannt. Mit seinem kostenlosen Angebot einer Mahlzeit auf der Basis von Gemüse und Hühnchen, öffnet es an jedem Dienstag, Mittwoch und Donnerstag. Freitags sättigt ein Lunch mit Tee, Kaffee, Maiskuchen und Salzbiskuits jeden der hier eintritt. Die freiwillige Koordinatorin des „Suppenhauses“ Helena Calixto Haje, 50, spricht mit einigem Stolz über die Menschen die hier verköstigt werden: An jedem dieser drei Tage servieren wir etwa 1.500 Mahlzeiten. Alles hier ist neu und frisch. Das was ich bei mir zu Hause auf den Tisch bringe, das kommt auch hier auf den Tisch.“ In der Küche werden Körner, Fleisch und Gemüse sorgfältig zubereitet, um keine Nahrungsmittel zu verlieren. Kleidungsstücke, Schuhe, Bücher, Hefte und andere Gegenstände, die als Schulmaterial wichtig sind, sind in den Regalen erhältlich. „Mein Mann ist eifersüchtig und sagt, dass ich selbst zu Hause nicht so gut organisiert bin“, scherzt sie. Seit 2005 verwaltet Helena diesen Platz, der noch 8 weitere Mitarbeiter beschäftigt. An diesen drei Wochentagen fährt sie sehr früh aus Anapolis los, eine Stadt in 35 km Entfernung von Abadiania. Sie bleibt bis zum Ende der Arbeit. „Ich liebe meine Arbeit hier. Ich erinnere mich an das erste Mal als ich hierher kam, da wollte ich am liebsten die Wände umarmen.“ Bei aller Aufmerksamkeit für die Notwendigkeiten der Suppenküche, hat Helena auch noch Zeit für die Kinder, die hierher kommen um zu essen, zu lernen und sich in dem Spielsalon zu vergnügen. „Ich bringe ihnen auch bei anzupflanzen. In unserem Garten gibt es Tomaten, verschiedene Salate, Petersilie, Lauch und Gemüse. So lernen die Kinder auch, dass sie das Gleiche in ihrem Garten zu Hause machen können.“ Gleich neben dem Suppenhaus wartet ein weiteres Projekt von Joao de Deus auf seine Einweihung: zwei Zahnart-Praxen, in denen Zahnärzte, die die Casa besuchen oder in der Vergangenheit besuchten, Gratis-Behandlungen durchführen werden. „Da beteiligen sich keine ONG`s, auch nicht Stadtverwaltung oder Regierung. Wir überleben mit den Verkäufen der Medikamente und Bücher sowie einigen Spenden, die manchmal kommen, manchmal auch nicht“, erklärt Hamilton Pereira, der Casa-Verwalter.
Wirtschaft, bewegt durch Glauben 1979 erhielt Joao de Deus die Unterstützung des damaligen Präfekten von Anapolis, Decil de Sa Abreu, um seine mediale Heilungsarbeit in der Stadt im Bundesstaat Goias aufzunehmen. Es gab auch die Empfehlung des Geistwesens Bezerra de Menezes, der von Chico Xavier inkorporiert wurde, und auf dessen Rat hin Joao de Deus sein Haus der Nächstenliebe in Abadiania gründete. Seitdem behandelt das Medium an den Heilungstagen von Mittwoch bis Freitag im Schnitt 1.200 Menschen. Die Behandlungen finden an jedem Mittwoch, Donnerstag und Freitag statt – mit Ausnahme der Zeiten in den Joao de Deus Heilungsreisen ins Ausland unternimmt. Im Juni, wenn der Geburtstag des Mediums gefeiert wird, erwartet die Casa bis zu 6.000 Besucher am Tag. Um den Zufluss brasilianischer und ausländischer Gäste auf Suche nach Behandlung zu bewältigen, hat die Stadt 37 Taxis, 42 Hotels und Pousadas, dazu etwa 20 Restaurants und Snackbars. Hamilton Pereira, 60, in Personalunion Finanzsekretär von Abadiania und Verwalter der Casa, bestätigt, dass die Arbeit von Joao de Deus mehr Menschen Beschäftigung gibt als die Stadtverwaltung. „Wenn früher ein Fussball-Team in die Stadt kam, waren die Pensionen ausgebucht. Heute haben wir 1.500 Hotelbetten und die sind auch fast immer voll.“ Der Inhaber des Hotels San Raphael, der von Griechen abstammende Südafrikaner Konstantinos Papadopoulos, 33, hat vor 4 Monaten ein neues Hotel ganz in der Nähe der Casa eröffnet. Er und seine Schwester, Angeliki Ioanna Papadopoulos, 27, kauften das Hotel im Januar, nachdem sie sich entschlossen hatten, in der Stadt zu bleiben wo ihre Mutter geheilt wurde. In der Schweiz im Hotelfach ausgebildet, empfängt Konstantinos Gäste aus der ganzen Welt. Der Preis einer Übernachtung variiert zwischen 80 Reais für ein Einzelzimmer und 140 Reais für ein Doppelzimmer. Zufrieden mit ihrer Geschäfstgründung denken die Geschwister nicht daran, Abadiania zu verlassen. „Ich wollte schon immer hier leben und Brasilien ist jetzt unsere Heimat“.
Im Namen des Sohnes
Die Therapeutin Nishavda Rollhausen, 52, aus Bahia, frequentiert die Casa seit 9 Jahren. Mutter eines 30-jährigen Sohnes, der wegen einer Behinderung besondere Hilfe und Betreuung braucht, suchte sie Joao de Deus auf, um die Konvulsionen ihres Sohnes zu behandeln. Der Junge hatte schon eine sehr sehr lange Behandlung im Krankenhaus hinter sich – seit dem Alter von 2 Jahren bis zu seinem 18. Lebensjahr. „Die Ärzte rieten uns auch, in Ergänzung zu den konventionellen Behandlungen spirituelle Hilfe zu suchen. Von diesem Moment an, begann ich mich umzuhören, Menschen zu fragen, und stieß schließlich im Internet auf die Arbeit von Joao de Deus.“ Die Veränderungen im Leben ihres Sohnes gingen Schritt für Schritt. Nishavda schätzt, dass es insgesamt eine Verbesserung um etwa 70 % gab. „Spirituelle Behandlung braucht nicht nur Glauben, Vertrauen und Disziplin, sondern auch viel Geduld“, betont sie. Seit damals wurde die Therapeutin zur regelmäßigen Besucherin des spirituellen Hospitals und begann auch als Casa-Führerin zu arbeiten. Verheiratet mit einem Deutschen, brachte sie große Gruppen von 50 oder teilweise mehr Deutschen in die Casa des Heiligen Ignazius von Loyola. In den Jahren 2003, 2004 und 2005 brachte sie Joao de Deus auch nach Deutschland. „Dort behandelte das Medium in 9 Tagen 15.000 Menschen, in Städten im Norden, Süden und in der Mitte des Landes. Sowohl hier als auch dort ist er ein einfacher Mensch und handelt in der gleichen Weise. Seine Mission wird allseits sehr respektiert und er ist von unglaublicher Großzügigkeit“ Um noch näher an der Arbeit von Joao de Deus zu sein, fällte Nishavda eine Entscheidung. Sie verkaufte das holistische Zentrum, das sie in Salvador betrieb, um mit ihrem Sohn im Hochplateau um Brasilia zu leben und, wer weiß, auch die Familie aus Salvador mitzubringen. „Hier ist ein Platz, wo Sie Komfort antreffen, das Lächeln von Freunden, Menschen mit denen man sich austauschen kann. Es ist ein ganz besonderer Ort: eine Oase in dieser weiten Landschaft aus roter Erde und in Brasilien.“
Ein Licht der Hoffnung 2006 wurde der Gaucho Victor Miguel Müller aus der Schuhfabrik entlassen, wo er damals gearbeitet hatte. Trotz dieser Nachricht blickte Victor nach vorn und begann ein Medizinstudium in Porto Alegre. In dieser Zeit wurde er krank. Bei einer ärztlichen Untersuchung wurde ein Knoten in der Brust entdeckt. Bei einer Analyse wurde Krebs diagnostiziert. Victor begab sich in Behandlung, aber der Krebs wuchs weiter und griff auf das Gehirn über. 2009 beschlossen seine Ex-Frau Silesia Silveira da Silva, 44, und ihr Mann, Luis Antonio Silva, 23, Hilfe in der Casa zu suchen. „Im Krankenhuas sagten die Ärzte, dass sie eine Operation vornehmen könnten, aber nach der Magnet-Resonanzuntersuchung hielten sie die Operation für zu riskant, weil er ins Koma fallen oder während der Operation sterben könne. „Auf meine Verantwortung hin, habe ich ihn aus dem Krankenhaus geholt und wir brachten ihn nach Abadiania“, erzählt Silesia, die zwei Söhne mit Victor hat. Es war Luis, der ihn auf seinem ersten Besuch begleitete. „Er konnte nicht mehr gehen und die Hände hatten aufgehört sich zu bewegen. Jetzt verbessert sich sein Zustand, trotz aller Schwierigkeiten.“ Bewusst, aber noch mit großen Schwierigkeiten zu sprechen, sagte Victor kürzlich, dass ihm die Ärzte zu dem Zeitpunkt als er in die Casa de Dom Inacio kam, nur noch 2 Monate Lebenserwartung gaben. Und jetzt ist er schon seit 8 Monaten in Behandlung bei Joao de Deus „Es ist aufregend, aber man braucht alle Willenskraft“, sagt Victor ganz leise.
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